Meine Tochter möchte die Pille nehmen!
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Meine Tochter möchte die Pille nehmen!

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Meine Tochter möchte die Pille nehmen!

60 Jahre Antibabypille – warum sie immer noch das sicherste Verhütungsmittel ist

 

Vor Kurzem hat sie noch mit ihren Puppen gespielt, Jungs waren doof – und auf einmal sind eben diese Jungs interessant, werden zu festen Freunden und Liebhabern. Da fragen sich viele Mütter, wo denn eigentlich die Zeit hin ist. Wann haben ihre Töchter angefangen, zu selbstbestimmten Frauen zu werden und ihre Lust zu entdecken? Spätestens jetzt sollten Mütter sich Gedanken darüber machen, wie sie ihre Tochter bei der Wahl der passenden Verhütungsmethode unterstützen können.

Die Pille ist eine sichere Verhütungsoption

Einer aktuellen Studie zufolge verhüten rund 90 Prozent der befragten Jugendlichen mit der Antibabypille[1]. Sie ist und bleibt also die unangefochtene Nr. 1, wenn es um Verhütung geht. Doch die Stimmen, die sich gegen hormonelle Verhütung erheben, werden immer lauter. Was ist dran, an den kritischen Kommentaren und ist die Pille immer noch ein geeignetes Verhütungsmittel für Mädchen und junge Frauen?

Die Pille zählt nach wie vor zu den sichersten Methoden, um eine ungewollte (Teenager-) Schwangerschaft zu verhindern. Besonders in jungen Jahren, in denen man noch unerfahren mit dem eigenen Körper ist, seine Sexualität ausprobiert und neue Erfahrungen möglichst gefahrenlos erleben möchte.

Neben dem sehr sicheren Empfängnisschutz kann die Pille für junge Mädchen und Frauen auch gesundheitliche Vorteile bieten. Sie kann einigen sogar dabei helfen, die Lebensqualität zu verbessern: Die Pille reduziert starke Regelblutungen und damit verbundene Schmerzen, die es manchen Mädchen unmöglich machen, während der Periode in die Schule zu gehen oder ihr Hobby zu genießen. Außerdem gibt es Präparate, die starker Akne entgegenwirken und das Hautbild verbessern können.

Pillenmythen und ihr Wahrheitsgehalt:

Derzeit kursieren viele Halb- und Unwahrheiten über die Pille. Wir erklären, wie diese einzuordnen sind. Stimmt es, dass die Pille

  • das Thromboserisiko erhöht? Es stimmt, dass das Thromboserisiko unter Einnahme der Pille erhöht sein kann. Das Risiko ist von Frau zu Frau unterschiedlich und muss durch eine gründliche Familienanamnese im Vorfeld ärztlich abgeklärt werden. Aber nicht nur die Einnahme der Pille beeinflusst das Thromboserisiko – hier spielen auch weitere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel. Zudem ist Pille nicht gleich Pille – neben verschiedenen Pillenarten gibt es auch unterschiedliche Wirkstoffzusammensetzungen. Bekommt eine junge Frau erstmals die Pille wird hier in der Regel eine Pille mit einem geringeren Thromboserisiko verordnet.

 

  • hochdosiert ist?   Wie bereits erwähnt, gibt es viele verschiedene Pillen mit unterschiedlichen Hormonkonzentrationen. Moderne Pillen enthalten in der Regel sehr niedrige Hormondosierungen - daher der Name „Mikro-Pille“. Junge Frauen, die keine anderen Beschwerden wie beispielsweise Akne haben, erhalten im Regelfall eine niedrig dosierte Pille, um die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

 

  • nur schwer vertragen wird?  Wie die Einnahme der Pille vertragen wird, ist wirklich von Frau zu Frau unterschiedlich. Sollte deine Tochter unerwünschte Nebenwirkungen spüren oder die Pille nicht gut vertragen, ist eine Rücksprache mit der Gynäkologin/ dem Gynäkologen notwendig. Gemeinsam könnt ihr sicher das passende Präparat finden.

 

  • unfruchtbar macht? In der Regel hat die Einnahme der Pille keine direkten Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit.[2] Bei vielen Frauen, die im späteren Leben nicht schwanger werden können, spielen ganz unterschiedliche Faktoren wie Alter, seelische und körperliche Gesundheit, Medikamente und die Fertilität des Partners eine Rolle.

 

  • depressiv macht? Stimmungsschwankungen und Depressionen können unter der Anwendung von Hormonen, wie sie in der Pille enthalten sind, auftreten. Im Falle von Stimmungsschwankungen und depressiver Herabgestimmtheit – auch wenn diese kurz nach Beginn der Anwendung auftreten – sollte das vom Arzt abgeklärt werden.-Wer gesundheitlich nicht vorbelastet ist, hat jedoch ein geringes Risiko durch die Pille ernsthaft beeinträchtigt zu werden. Bei Mädchen und Frauen, die z. B. unter prämenstruellen Beschwerden (körperliche und emotionale Beschwerden während des Menstruationszyklusses) leiden, können die Effekte der Pille für deutliche Besserung sorgen.  

 

  • die Libido unterdrückt? Auch hier können keine eindeutigen wissenschaftlichen Zusammenhänge festgestellt werden. Oft sind es andere Faktoren, etwa Stress, Kummer oder Krankheit, die das Lustempfinden stark beeinflussen können.

Wichtig: Hormonelle Verhütungsmittel schützen nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Hier ist und bleibt das Mittel der Wahl das Kondom.

Sind natürliche Verhütungsmethoden für Teenager geeignet?  

Nicht-hormonelle Methoden sind für Mädchen und junge Frauen, wenn es um die Sicherheit der Verhütungsmethode geht, nicht empfehlenswert. Diese Methoden erfordern eine sichere Methodenkenntnis, welche erst einmal erlernt werden muss. Jungen Frauen sollte hierbei bewusst sein, dass bei einem Anwendungsfehler, wie beispielsweise falsch interpretierten fruchtbaren Tagen eine Schwangerschaft nicht unwahrscheinlich ist. Diese Methode eignet sich somit eher für Frauen, für welche eine ungeplante Schwangerschaft akzeptabel wäre.

Darf ich mit zum Frauenarzt?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass du deine Tochter in die Praxis begleitest. Viele Mädchen möchten jedoch allein mit dem Arzt oder der Ärztin sprechen – und diesen Freiraum solltest du auch gewähren. Deine Tochter möchte diesen Schritt ganz ohne dich machen? Auch hier solltest du akzeptieren, dass sie zu einer eigenständigen Frau heranwächst, die eigene Entscheidungen trifft.

Übrigens: Ab 14 Jahren benötigt deine Tochter auch kein Einverständnis der Eltern für die Einnahme der Pille, sondern kann diese Entscheidung gemeinsam mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin besprechen.

 

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30364414/#&gid=article-figures&pid=fig-1-uid-0

[2] F.A. Leidenberger, T. Strowitzki, O.Ortmann: Klinische Endokrinologie für Frauenärzte (2014), S.156f. Berlin: Springer

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