Pille in den Wechseljahren – ist das sinnvoll?
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Pille in den Wechseljahren – ist das sinnvoll?

Pille in den Wechseljahren – ist das sinnvoll?

Pille in den Wechseljahren – ist das sinnvoll?

Du nimmst die Pille vielleicht schon seit Jahrzehnten, dein Zyklus läuft regelmäßig und alles scheint im Gleichgewicht. Doch in letzter Zeit fühlt sich etwas anders an: Nächte werden unruhiger, Hitzewallungen tauchen auf, die Stimmung schwankt stärker als sonst. Viele Frauen merken erst spät, dass sie längst mitten in der hormonellen Umstellung stecken.

Genau hier entsteht oft Unsicherheit: Die Pille hält den Hormonspiegel künstlich stabil und kann typische Wechseljahreszeichen überdecken – angenehm für viele, aber manchmal auch irritierend, wenn man nicht mehr einschätzen kann, was der eigene Körper gerade braucht. Also: weitermachen wie bisher oder umdenken?

Was passiert im Körper? 

Mit Beginn der Perimenopause – der Übergangszeit vor den eigentlichen Wechseljahren – verändert sich der Hormonhaushalt Schritt für Schritt. Eisprünge werden unregelmäßiger, die Produktion von Östrogen und Progesteron nimmt langsam ab, und Zyklen verändern sich.

Viele Frauen nehmen in dieser Phase weiterhin die Pille, weil sie zuverlässig ist und die Blutung stabil hält. Gleichzeitig verändern sich aber mit zunehmendem Alter die gesundheitlichen Voraussetzungen, sodass eine erneute Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll wird, ob die Pille weiterhin die richtige Wahl ist[1].

Vor- und Nachteile von der Pille in den Wechseljahren 

Vorteile 

  • Die Pille kann im Übergang helfen, Zyklus und Blutungen stabiler zu halten, insbesondere bei unregelmäßigen Blutungen oder starken Menstruationen.
  • Sie bietet weiterhin Verhütung, solange der Eisprung noch möglich ist[2].
  • Kombinierte Pillen können unter Umständen einen schützenden Effekt auf die Knochendichte haben, da der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt[3].

Nachteile 

  • Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Thrombosen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – besonders bei östrogenhaltigen Pillen.
  • Die hormonellen Veränderungen der Wechseljahre können durch die Einnahme der Pille zeitweise überdeckt werden, sodass Symptome (z. B. Hitzewallungen, Schlafstörungen) erstmal unbemerkt bleiben können.
  • Entsprechende Leitlinien empfehlen ab einem gewissen Alter ab etwa 50 Jahren einen Wechsel auf risikoärmere Verhütungsmethoden[4].

Welche Pillen-Optionen sind in den Wechseljahren geeignet?

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Anforderungen an hormonelle Präparate. In der Perimenopause kommen vor allem zwei hormonelle Optionen infrage:

Gestagenpräparate – oft gut verträglich im Übergang

Reine Gestagenpräparate (z. B. Minipille) kommen ohne Östrogen aus. Sie gelten für viele Frauen in den Wechseljahren als gut geeignete Option, insbesondere wenn östrogenhaltige Präparate nicht (mehr) vertragen werden oder bestimmte Risikofaktoren bestehen.

Gestagenpillen wirken vor allem über die Verdickung des Zervixschleims und – je nach Präparat – über die Unterdrückung des Eisprungs. Bei korrekter Einnahme bieten sie eine sichere Verhütung, können jedoch das Blutungsmuster verändern: Unregelmäßige oder ausbleibende Blutungen sind möglich und kein ungewöhnlicher Effekt.

Kombinierte Pillen mit Estradiol

Es gibt auch kombinierte Pillen, die Estradiol oder Estradiolvalerat enthalten. Diese orientieren sich stärker am körpereigenen Östrogen und werden von manchen Frauen in der Perimenopause als besser verträglich erlebt, etwa bei Zyklusschwankungen.

Ob solche Präparate geeignet sind, hängt jedoch stark von individuellen Faktoren ab. Eine ärztliche Abklärung ist hier besonders wichtig.

Wann ist der Zeitpunkt für einen Wechsel der aktuellen Verhütungsmethode? 

Ein Wechsel der Methode kann sinnvoll sein, wenn 

  • kein Verhütungsbedarf mehr besteht, weil der Eisprung ausbleibt oder die Menopause unmittelbar bevorsteht,
  • neue Risikofaktoren hinzukommen (z. B. Bluthochdruck, Migräne mit Aura, Rauchen),
  • oder du das Gefühl hast, die Pille tut dir körperlich oder emotional nicht mehr gut.

Ein Check-up bei deiner Gynäkologin oder Gynäkologen hilft, die Situation realistisch einzuschätzen. Dabei werden Blutdruck, Gewicht, persönliche Risikofaktoren und die familiäre Krankheitsgeschichte berücksichtigt. Alter allein ist kein Ausschlusskriterium, aber ein guter Anlass, gemeinsam über Alternativen zu sprechen[5].

Neuanfang mit Plan 

Die Wechseljahre markieren keinen Schlussstrich, sondern den Start einer neuen hormonellen Phase. Jetzt ist der Moment, einmal ehrlich zu prüfen: Was tut dir gut, was nicht mehr? Ob du die Pille in den Wechseljahren weiternimmst, absetzt oder wechselst – wichtig ist, dass die Entscheidung zu deinem aktuellen Leben passt. Mit ärztlicher Begleitung und einem klaren Plan kannst du dich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: dein Wohlbefinden.


 

[1] Grandi, G., Di Vinci, P., Sgandurra, A., Feliciello, L., Monari, F., & Facchinetti, F. (2022). Contraception During Perimenopause: Practical Guidance. International journal of women's health, 14, 913–929. 

[2] Allen, R. H., Cwiak, C. A., & Kaunitz, A. M. (2013). Contraception in women over 40 years of age. CMAJ : Canadian Medical Association journal = journal de l'Association medicale canadienne185(7), 565–573.

[3] Wei, S., Venn, A., Ding, C., Foley, S., Laslett, L., & Jones, G. (2011). The association between oral contraceptive use, bone mineral density and fractures in women aged 50–80 years. Contraception, 84(4), 357-362.

[4] Faculty of Sexual & Reproductive Healthcare (2023): Combined Hormonal Contraception – Clinical GuidelineFSRH, London.

[5] Schaudig, K. & Schwenkhagen, A. (2023). Kontrazeption ab 40: Sicher und risikobewusst verhüten – länger als gedacht. Deutsches Ärzteblatt, 2023, 120(25).