Pille zu niedrig dosiert? So erkennst du’s und handelst richtig
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Pille zu niedrig dosiert? So erkennst du’s und handelst richtig

Pille zu niedrig dosiert? So erkennst du’s und handelst richtig

Pille zu niedrig dosiert? So erkennst du’s und handelst richtig 

Kann die Pille zu niedrig dosiert sein?

Die Pille zählt weiterhin zu den beliebtesten und zuverlässigsten Verhütungsmethoden[1], doch jede Frau reagiert unterschiedlich auf die enthaltenen Hormone. Vielleicht hast du schon gehört, dass es nicht „die eine Pille“ gibt, sondern viele verschiedene mit unterschiedlichen Wirkstoffen in unterschiedlichen Dosierungen. Welche Pille für dich die richtige ist, bestimmt deine Frauenärztin/ dein Frauenarzt im Beratungsgespräch mit dir.  Die enthaltenen Hormone und die Hormonmenge in der Pille haben einen relevanten Einfluss auf die Verträglichkeit und Zufriedenheit mit der ausgewählten Pille. Warum? Das zeigt dieses Beispiel: Ist die Dosierung zu niedrig, kann sich das zum Beispiel durch Zwischenblutungen oder einen unregelmäßigen Zyklus bemerkbar machen[2]. Kein Grund zur Sorge: Das bedeutet nicht, dass der Schutz verloren geht – oft ist es nur ein Zeichen dafür, dass dein Körper eine andere Dosierung besser vertragen könnte.

Warum gibt es unterschiedlich stark dosierte Pillen? 

Eine Kombinationspille enthält zwei Arten von Hormonen: Östrogen (meist Ethinylestradiol) und Gestagen. Beide steuern gemeinsam den Eisprung, den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und die Viskosität der Zervixschleim – also die Schutzmechanismen gegen eine Schwangerschaft[3].

Früher enthielten Pillen teilweise bis zu 50 Mikrogramm Ethinylestradiol, heute liegen die Dosierungen zwischen 15 und 35 Mikrogramm, um Nebenwirkungen zu reduzieren. Niedriger dosierte Pillen sind genauso wirksam, aber sind verträglicher für den Körper[4]. Je nach Hormonempfindlichkeit reagieren Frauen jedoch unterschiedlich: 

  • Sehr niedrige Dosierungen (15–20 µg) sind ideal für Frauen, die empfindlich auf Hormone reagieren oder erstmals die Pille nehmen4
  • Mittlere Dosierungen (30–35 µg) eignen sich, wenn die niedrige Dosis zu Zyklusstörungen, Zwischenblutungen oder Stimmungsschwankungen führt[5]
  • Höhere Dosierungen kommen nur noch selten zum Einsatz, etwa bei bestimmten medizinischen Indikationen oder starken hormonellen Schwankungen4

Die Wahl der Dosierung ist also immer individuell und hängt von deiner körperlichen Reaktion, deinem Zyklus und deiner Lebensphase ab. 

Anzeichen, dass deine Pille zu niedrig dosiert sein könnte

Wenn der Hormonspiegel zu gering ist, um den Zyklus stabil zu halten, können typische Anzeichen auftreten: 

  • Zwischen- oder Schmierblutungen zwischen den Pillenzyklen
  • Unregelmäßige oder ausbleibende Monatsblutung
  • Zunahme von PMS-Symptomen (z. B. Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Brustspannen)
  • Hautunreinheiten oder verstärkte Talgproduktion
  • Veränderte Stimmung oder Libidoverlust

Diese Symptome bedeuten aber nicht, dass die Verhütung unwirksam ist – sie zeigen meist nur, dass dein Körper auf die aktuelle Hormonmenge reagiert2.

Wann ist eine höhere Dosierung sinnvoll? 

Wenn du über mehrere Monate hinweg wiederkehrende Zyklusstörungen, Schmierblutungen oder starke Stimmungsschwankungen bemerkst, kann ein Wechsel auf eine etwas höher dosierte Pille sinnvoll sein, wenn keine andere Faktoren dagegensprechen. Denn dadurch kann der Hormonspiegel stabilisiert, der Zyklus gleichmäßiger und die Blutungen oft regelmäßiger werden. Dein Frauenarzt oder deine Frauenärztin wird dich dahingehend beraten können.

Wann ist eine niedrige Dosierung sinnvoll? 

Wenn du unter Nebenwirkungen wie Spanungsgefühlen, Wassereinlagerungen oder Stimmungsschwankungen leidest, kann ein Wechsel auf ein niedriges dosiertes Präparat sinnvoll sein.

Solltest du unter deiner aktuellen Pille Nebenwirkungen haben oder dich nicht wohl führen, hol dir am besten ärztlichen Rat ein. Sprich bei deinem nächsten Arztbesuch das Thema offen an und lass dich individuell und fachlich beraten.

Was die Pillenwirkung beeinflussen kann 

Ob eine Pille „nicht richtig wirkt“, also der kontrazeptive Schutz beeinträchtigt sein könnte, kann man selbst als Anwenderin nicht zwingend an Symptomen, welche als Nebenwirkung auftreten können, bemerken. Auch eine niedrige Dosierung beeinflusst nicht den Schutz durch die Pille, dies kann an anderen Faktoren liegen:

  • Einnahmefehler oder unregelmäßige Einnahmezeit
  • Erbrechen oder Durchfall nach der Einnahme
  • Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten
  • Falsche Lagerung der Pille

Wenn du unsicher bist, dokumentiere deine Symptome oder besondere Vorkommnisse über mehrere Zyklen und bespreche es mit deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkologin. 

Die richtige Dosierung ist individuell 

Eine „zu niedrig dosierte“ Pille ist kein Grund zur Sorge – sondern ein Hinweis, dass dein Körper anders reagiert als erwartet. Jede Frau reagiert unterschiedlich auf Hormone und die passende Dosierung zu finden, ist manchmal ein Prozess. Aber wenn du dich aufmerksam beobachtest, Veränderungen ernst nimmst und regelmäßig Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin hältst, kannst du sicherstellen, dass deine Pille optimal zu dir passt. 
 

[1] BZgA Studie „Verhütungsverhalten Erwachsener und Jugendlicher 2024". 

[2] Niggli, A., & Merki-Feld, G. S. (2024). Blutungsstörungen unter hormonellen Kontrazeptiva. Gynäkologische Endokrinologie, 22(4), 259-267.

[3] Rivera, R., Yacobson, I., & Grimes, D. (1999). The mechanism of action of hormonal contraceptives and intrauterine contraceptive devices. American journal of obstetrics and gynecology, 181(5), 1263-1269.

[4] Krishnan, S., & Kiley, J. (2010). The lowest-dose, extended-cycle combined oral contraceptive pill with continuous ethinyl estradiol in the United States: a review of the literature on ethinyl estradiol 20 μg/levonorgestrel 100 μg+ ethinyl estradiol 10 μg. International journal of women's health, 235-239.

[5] Rosenberg, M. J., Meyers, A., & Roy, V. (1999). Efficacy, cycle control, and side effects of low-and lower-dose oral contraceptives: a randomized trial of 20 μg and 35 μg estrogen preparations. Contraception, 60(6), 321-329.