Allabout Chrissi
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Endometriose: Allaboutchrissi im Interview

Allabout Chrissi

Chrissi ist Bloggerin und schreibt ihre persönliche Geschichte vom Leben mit Endometriose auf ihrem Blog und auf Instagram nieder. Im Interview spricht sie nicht nur über den langen Leidensweg mit der Krankheit, sondern auch über Hoffnung, das richtige Mindset und einen großen Wunsch, der endlich in Erfüllung gegangen ist.

 

1.    Hallo Chrissi, stell dich doch mal kurz vor!

Sehr gerne. Ich bin Chrissi, 37 Jahre, und komme aus Bremen. Ich lebe hier mit meinem Mann und unseren zwei Katzen. Seit 2017 blogge ich über mein Leben mit Endometriose und meinen unerfüllten Kinderwunsch.

2.    Wie lange leidest du schon unter der Erkrankung Endometriose?

Ich bin nicht mehr hundertprozentig sicher, aber ich meine, ich bekam ca. 2007/08 mit Anfang 20 plötzlich unter der Antibabypille starke Schmerzen während der Periode. Ich ging zu meinem Frauenarzt und bekam eine neue Pille verschrieben, doch die Schmerzen verbesserten sich nicht. Anschließend suchte ich noch zwei weiter Frauenärzte auf, die mir erneut lediglich eine neue Pille verschrieben, die alle keine Linderung brachten. Erst der 4. Frauenarzt, den mir eine Freundin empfahl, hatte den Verdacht auf Endometriose. Mitte 2009 wurde diese dann mittels einer ambulanten Bauchspiegelung entfernt und ich wusste somit sicher, dass ich Endometriose habe.

3.    Wie erklärst du Endometriose jemanden, der noch nie davon gehört hat?

Endometriose ist eine gynäkologische Krankheit, bei der sich außerhalb der Gebärmutter gebärmutterähnliche Schleimhaut an Organen bildet und dort zyklisch mitblutet. Diese sogenannten Endometrioseherde wachsen von Zyklus zu Zyklus und können starke Schmerzen in Unterleib und Rücken auslösen. Zudem können Sie das Organ, an dem sie sich bilden, schädigen und zu Beschwerden führen. Typische Organe sind Blase, Darm, Eierstöcken und Gebärmutter; die Endometrioseherde können in schweren Fällen auch außerhalb des Bauchraums wachsen z. B. in der Lunge. Mittels einer Bauchspiegelung können die Herde größtenteils entfernt werden, können jedoch jederzeit wieder neu wachsen. Somit ist Endometriose eine chronische Krankheit, die aktuell nicht heilbar ist.

4.    Wann und wie hast du gelernt, die Krankheit nicht als End(o)gegner wahrzunehmen, sondern sie zu akzeptieren und deinen Körper zu unterstützen?

Zu Beginn habe ich die Endometriose gar nicht so ernst genommen. Ich begann nach meiner OP 2009 bis 2016 die Antibabypille ohne Pause durchzunehmen und hatte keine Abbruchblutung und somit auch keine Unterleibsschmerzen mehr. Ich hatte lediglich Magen-Darm-Beschwerden, die ich zu der Zeit nicht mit der Endometriose in Verbindung brachte. So richtig getroffen hat mich die Endometriose erst Ende 2016, nachdem ich im Sommer die Pille absetzte, weil wir uns ein Kind wünschten Ich bekam sehr starke Verstopfungen und Schmerzen insbesondere im Rücken und Gesäß. In drei von vier Wochen meines Zyklus waren die Schmerzen unaushaltbar. Ich nahm starke Schmerzmittel und befand mich in einem Wettlauf zwischen Angst vor der nächsten Periode und Hoffnung, dass ich in dem aktuellen Zyklus endlich schwanger werde, damit ich diese Schmerzen nicht mehr ertragen muss.

Anfang 2018 erkannte ich, dass der Kampf mich an mein körperliches Ende bringt. Ich konnte nicht mehr und stellte mich mit einer erneuten Bauchspiegelung im Sommer 2018 gefühlt meiner Krankheit. Ich hatte eine sehr schwere Operation von sechs Stunden, in der nicht nur große Teile der Endometriose, sondern auch 15 cm meines Enddarms entfernt werden mussten. Anschließend kam es zu zwei Darmnahtrissen, woraufhin vier Wochen Krankenhaus und vier Wochen Reha folgten. Der Kampf war somit leider nicht vorbei. Bis Ende 2019 kämpfte ich mich in mein Leben zurück, bis ich Ende 2019 erkannte, dass Stress und Druck, den ich mir machte, dazu führten, dass es mir noch immer nicht gut ging. 2020 setzte ich mir somit nur ein einziges Ziel, und zwar alles für meine Gesundheit zu tun, mit dem Ziel schwanger zu werden. Ich reduzierte radikal mein Stresslevel und tat alles, was mir Freude bereitete. Ich beschäftigte mich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung sowie meinem Mindset und Monat für Monat ging es mir immer besser, bis ich Mitte 2020 nahezu beschwerdefrei war. Es war ein Prozess, in dem ich Stück für Stück lernte, ein Leben mit meiner Endometriose zu führen.

5.    Für viele Frauen, die schon länger erkrankt sind, kommt irgendwann das Thema Kinderwunsch auf. Diesen zu erfüllen, ist mit Endometriose nicht immer leicht und kann mit vielen Auf und Abs verbunden sein. Was sind deine Tipps für Frauen, die gerade durch diese harte Zeit gehen?

Vorab möchte ich erstmal sagen, dass es ein Mythos ist, dass man mit Endometriose nicht schwanger werden kann. Leider hält sich dieses Gerücht hartnäckig. Es ist jedoch so, dass viele Frauen mit Endometriose nicht so leicht schwanger werden. Dies kann zum einen daran liegen, dass die Endometriose die Geschlechtsorgane beeinträchtigt hat oder dass das Immunsystem, das die Endometriose bekämpft, die Befruchtung stört. Ich kann nur empfehlen, sich frühzeitig auch von einer Kinderwunschklinik betreuen zu lassen. Dies bedeutet nicht immer gleich, dass man eine künstliche Befruchtung machen muss. Hier kann man auch nur seinen Zyklus überwachen lassen, sodass man z. B. weiß, wann der Eisprung ist.

Was mich auch sehr beruhigt hat, ist zu wissen, dass laut meinem Arzt in der Kinderwuschklinik die normale Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden bei ca. 20 Prozent liegt und es durchschnittlich neun Monate dauert, bis man schwanger wird. Bei Frauen mit Endometriose schätzt man die Chance auf 10-15 Prozent. So viel schlechter ist das also gar nicht. Ich empfehle daher jeder Frau mit Kinderwunsch positiv zu bleiben und die Hoffnung nicht aufzugeben. Das Vertrauen darin zu haben, dass man schwanger wird, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, hat mir sehr viel Druck genommen.
Und was soll ich sagen, nach dreieinhalb Jahren unerfülltem Kinderwunsch bin ich aktuell im 4. Monat schwanger. Ganz ohne Unterstützung bin ich im Juni, als ich den Sommer einfach nur genoss und im absoluten Vertrauen war, auf natürlichem Wege schwanger geworden.

Aristo

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